Liebe Schwestern und Brüder,
der Karneval steht vor der Tür. Wir gehen wieder auf Sitzungen und an Rosenmontag auch auf unsere Straßen mit Lachen, bunten Kostümen und ausgelassener Fröhlichkeit. Auf den ersten Blick scheint diese Zeit wenig mit dem christlichen Glauben zu tun zu haben. Und doch gehören Karneval und Glaube enger zusammen, als man vermuten könnte – denn Humor und Glaube sind keine Gegensätze.
Ein Blick auf die Schöpfung verrät: Gott hat Sinn für Humor. Die unglaubliche Vielfalt der Tiere, die Farbenpracht der Natur, die Einzigartigkeit jedes Menschen – all das zeugt von Kreativität, Spielfreude und einer göttlichen Freiheit, die nicht alles streng und gleichförmig ordnet. Gott erschafft nicht nur funktional, sondern verschwenderisch, überraschend und liebevoll. Darin liegt etwas zutiefst Humorvolles.
Allerdings ist Humor viel mehr als das, was wir heute oft darunter verstehen: ein schneller Witz, ein lustiger Spruch oder das Auslachen anderer. Das Wort „Humor“ stammt vom lateinischen humor – Feuchtigkeit, Lebenssaft. Gemeint ist damit eine innere Haltung, die aus unserer tiefen Sehnsucht kommt. Wahrer Humor ist lebensfreundlich, entlastend und versöhnlich. Er nimmt das Leben ernst, aber nicht schwer. Er weiß um die Grenzen des Menschen und kann trotzdem – oder gerade deshalb – lächeln.
In diesem Sinn hat Humor viel mit Glauben zu tun. Wer glaubt, muss nicht perfekt sein. Wer auf Gott vertraut, darf unvollkommen sein, Fehler machen, über sich selbst lachen. Christlicher Humor entspringt dem Vertrauen, dass mein Leben letztlich in Gottes Hand liegt – nicht in meiner eigenen Kontrolle. Ich darf mich selbst relativieren, weil Gott mich absolut liebt.
Auch Jesus begegnet uns in den Evangelien nicht humorlos. Er überzeichnet, provoziert und spielt mit Bildern: ein Balken im eigenen Auge, das Kamel, das durchs Nadelöhr soll, der Hirte, der wegen eines einzigen Schafes alles stehen und liegen lässt. Diese Bilder bringen uns zum Schmunzeln – und gerade so öffnen sie Herz und Verstand für eine tiefere Wahrheit.
Der Karneval erinnert uns daran, dass die Welt nicht nur nach Leistung, Ernst und Ordnung funktioniert. Für einen Moment werden Rollen vertauscht, Masken aufgesetzt, Hierarchien aufgehoben. Das kann befreiend sein – und zugleich mahnt es uns: Unsere Würde kommt nicht aus Titeln oder Funktionen, sondern daraus, dass wir von Gott angenommen sind.
Humor hilft uns, dem Leben und dem Glauben mit Gelassenheit zu begegnen. Er schenkt Abstand zu uns selbst und Nähe zu Gott. Vielleicht ist er gerade deshalb so wichtig: weil er uns lehrt, zu vertrauen – auf Gott, auf das Leben und auf die Freude, die Gott uns schenken will.
In diesem Sinn kann der Karneval auch für Christinnen und Christen eine geistliche Dimension haben: als Einladung, das Leben zu feiern, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen und mit einem hoffnungsvollen Lächeln durch diese Welt zu gehen. Denn wer glaubt, darf lachen – und wer lacht, vertraut darauf, dass Gott es gut meint mit uns.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne Session. Helau und Amen.
Ihr Michael Knipp, Pfarrer